Vorkontrolle – Vermittlung – Nachkontrolle

Was ihr Menschen alles mitmachen müsst, bis wir endlich bei euch einziehen dürfen (aber keine Angst, die paar Hindernisse sind das „Abenteuer Katze“ auf alle Fälle wert)

Hallo liebe künftige Dosenöffner,

ich erzähle euch heute mal, wie so eine Vermittlung überhaupt abläuft, damit ihr wisst, was auf euch zukommt.

Mein Name ist Robbie und ich habe das alles schon hinter mir, sodass ich voll qualifiziert bin, hier aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Schritt 1: Ihr habt die Entscheidung getroffen „ja, ich bin soweit, dass ich mein Leben mit Katzen verbringen möchte.“

Dann müsst ihr wissen, dass z. B. euer Bett nicht mehr alleine euch gehört (die Couch ganz sicher nicht), dass ihr eventuell Besuch bekommt, wenn ihr grade euer „Geschäft“ machen wollt (ein Umstand, den wir selbst gar nicht schätzen, es aber mitunter lustig finden, euch dabei Gesellschaft zu leisten). Und hoffentlich seid ihr dann bereits bestens auf das Wunder vorbereitet, wie es sich anfühlt, wenn eine Katze nicht nur in euer Haus, sondern auch in euer Herz einzieht.

Schritt 2: Ihr habt euch in eine Katze (oder eigentlich zwei, weil wir ja nicht notwendigerweise alleine leben wollen) verliebt…

Schritt 3: Ihr fragt euch gerade, ob die Schritte 1 und 2 nicht austauschbar sind… ja, sind sie :-)

Schritt 4: Eine nette E-Mail oder ein Anruf bei unseren lieben Freunden von der Katzen-Hilfe-Uelzen, deren Inhalt zusammengefasst lauten könnte „ja, ich will“ (eine Katze adoptieren, nicht den Menschen am anderen Ende der Leitung heiraten :-D)

Dann geht’s los…!

Unsere zweibeinigen Freunde werden euch Löcher in den Bauch fragen, damit sie herausfinden können, ob der zukünftige Mitbewohner auch zu euch passt (und ihr zu ihm, denn es macht ja nur Sinn, wenn wir uns bei euch so richtig wohl fühlen). Unsere Freunde fragen z.B., ob noch andere Katzen bei euch leben oder ob wir unseren besten Freund/beste Freundin gleich mitbringen dürfen (Katzen werden nur dann in Einzelhaltung vermittelt, wenn sie ganz deutlich gezeigt haben, dass sie mit Artgenossen nicht klar kommen!), ob wir in den Freigang dürfen, wo ihr wohnt, wie ihr wohnt, etc… das sind alles Fragen, die allein UNSEREM Schutz dienen, denn viele von uns waren krank oder verletzt und mussten mit viel Liebe gepäppelt werden und natürlich wollen unsere Freunde nur das allerallerallerbeste für uns.

Unsere Freunde schicken euch dann einen sog. Interessentenfragebogen, auf dem dann alles zusammengefasst ist, das ist so dann einfacher für sie.

Schritt 5: Jetzt wird’s spannend, denn jetzt kommt etwas, was die Menschen „Vorkontrolle“ nennen (selbstverständlich nach Terminabsprache). Da kommt dann einer unserer Freunde (oder – je nach Wohnort – ein Mitarbeiter einer befreundeten Tierschutzorganisation) zu euch nach Hause, um euch kennen zu lernen und zu beraten, denn schließlich soll ja alles perfekt laufen. Dieser Freund ist dann mit dem Fragebogen bewaffnet und möchte gerne schauen, ob z. B. der versprochene Balkon auch da und für uns gesichert ist, oder ob die Hauptstraße (bei Freigängern) wirklich so weit weg ist, wie ihr versprochen habt. Unsere Freunde interessieren sich NICHT dafür, ob gerade frisch gesaugt und aufgeräumt wurde (so mal unter uns: eine „lebendige“ Wohnung ist doch eh viel spannender als eine supersterile… da würde doch dann höchstens eine Plüschkatze einziehen wollen).

Es geht also lediglich darum, ob die Katze, für die euer Herz schlägt, auch wirklich zu euch und in die evtl. bestehende Katzengruppe passt, ob es vielleicht noch Gefahrenquellen gibt, auf die man aufmerksam gemacht werden sollte oder ähnliches. Wie gesagt, das dient nur unserem Schutz (wir sind ja richtige, echte Lebewesen… keine Sachen J)

Dies ist auch die Möglichkeit, unsere Freunde mit ALLEN Fragen zu löchern, die euch so einfallen… Tipps zur Zusammenführung, zur Ernährung, für den richtigen Kratzbaum, wie sichert man den Balkon/gekippte Fenster etc; unsere Freunde beantworten solche Fragen nur zu gerne (bei einem Tässchen Kaffee oder so… ich versteh nicht, was die Menschen an dieser schwarzen Brühe finden, aber die psychologische Komponente ist gut zu beobachten, die werden dabei nämlich gaaaaanz relaxt – sie nennen das „gemütlich“).

Schritt 6: Der Schutzvertrag »hier«… Das ist wieder so eine Sache, die vielen künftigen menschlichen Mitbewohnern komisch vorkommt, daher schlage ich vor, ihr lest euch mal durch, was da so drinsteht, denn all das ist manch einem Artgenossen leider passiert und ich denke, es ist nachvollziehbar, dass keiner von uns ein solches Schicksal teilen möchte und auch hier dürft ihr unseren Freunden gerne Löcher in den Bauch fragen, wenn irgendetwas unklar ist; seid nicht schüchtern, unsere Freunde sind das auch nicht :-) 

Und da drin steht ein besonderes Wort… SCHUTZGEBÜHR! Hm, wie erkläre ich das…

Für viele Menschen ist etwas, was nichts gekostet hat, nicht viel wert… Deshalb kann es leider vorkommen, dass mit uns nicht so umgegangen wird, wie wir das verdienen, z. B. dass die Menschen sich viel zu schnell und zu unüberlegt entscheiden und wir unser geliebtes Zuhause bald schon wieder verlieren. Wenn wir Geld kosten, ist eine unüberlegte Anschaffung etwas unwahrscheinlicher. Es gibt außerdem Menschen (Tierhändler), die „kaufen“ billig eine Katze (ein ekelhaftes Wort, wir sind doch richtige, echte Lebewesen) und „verkaufen“ sie teuer weiter und ein solches Schicksal möchten unsere Freunde uns gerne ersparen.

(Der Mensch, dem ich das hier grad diktiere sagt, ich soll die Höhe der „Gebühren“ noch erwähnen:)

Unsere Schutzgebühren im Detail:


90 Euro... Dafür sind die Katzen in der Regel bereits kastriert, gechippt (manchmal zusätzlich tätowiert) geimpft, entwurmt und meist auch auf FeLV und je nach Alter auch auf *FIV getestet.


*Hinweis: Bei Kitten bis zu 14 Wochen ist ein FIV Test nicht aussagekräftig. Der Grund: beim FIV-Test wird auf die Immunabwehr getestet und kleine Kitten haben noch kein eigenes Immunsystem, sondern das, was sie von der Mutter mitgegeben bekommen haben. Somit testet man dann sozusagen nicht das Kitten, sondern indirekt die Mutter. Ab ca. 5 bis 6 Monaten ist der FIV Test aussagekräftig.

Bei Leukose ist es aber 1. so, dass Virusbestandteile selbst getestet werden und nicht die Immunabwehr und 2. Leukose ja so hochansteckend ist, daß wenn die Mutter positiv ist, es das Kleine auch ist...
Von daher ist der Leukosetest auch schon bei ganz Kleinen aussagekräftig - wichtig ist nur, daß genug Blut im Körper zirkuliert, damit die eventuell meßbare Menge der Viren nicht unter der Nachweisgrenze liegt.

Bei Rassekatzen bzw. Rassekatzenmixen, auch ohne Papiere, beträgt die Schutzgebühr 150 €. Diese Katzen "tragen" die Kosten der nicht so gut vermittelbaren Katzen zum Teil mit.

Oh, und ich soll noch erzählen, dass das viel weniger ist, als das, was unsere Freunde in uns investieren und dass das ganze Geld dann wieder uns Katzen zugute kommt, weil unsere Menschenfreunde nämlich alle „für umme“ arbeiten)

Schritt 7: Wenn all diese Hürden (sind ja nur kleine, oder?) genommen sind, dann geht’s los… Ihr werdet Katzeneltern :-D (und es dauert sicher keine neun Monate, versprochen!)

Wie genau läuft das ab? Unsere Freunde liefern uns bei euch ab, wenn sie selbst nicht kommen können, weil ihr z. B. zu weit weg wohnt, dann organisieren sie das, was sie eine „Fahrkette“ nennen (kann ich mir nichts drunter vorstellen, aber ich durfte ganz lange Autofahren, in vielen unterschiedlichen Autos und mich dabei mit vielen verschiedenen Menschen unterhalten, das war spannend). Das kostet euch nichts extra, das machen unsere Freunde in ihrer Freizeit und ehrenamtlich, allerdings könnte das ein bisschen dauern (aber wie gesagt: keine neun Monate :-D), also bitte nicht ungeduldig werden, ok?

Natürlich dürft ihr uns aber auch selbst abholen oder uns entgegenkommen, da freuen wir uns auch drüber.

Schritt 8: (langsam werde ich müde vom Erzählen, aber wir haben’s gleich geschafft…)

Die Nachkontrolle (wiederum nur nach Terminabsprache)… das ist wieder so ähnlich wie die Vorkontrolle, es interessiert unsere Freunde also wiederum nicht, ob gerade frisch gesaugt oder die Fenster geputzt wurden, sondern sie wollen nur sehen, ob es uns gut geht. Haben wir uns gut eingelebt oder braucht unser neuer Dosenöffner vielleicht noch ein paar Tipps, weil wir noch ein bisschen schüchtern sind, oder so. Übrigens werden Vor- und Nachkontrollen sogar bei den Menschen gemacht, die unsere Freunde selbst schon eeeeewig kennen, weil es einfach dazu gehört, weil es wichtig ist, für unseren Schutz und unser Wohlergehen. Unsere Freunde sagen, dass sie uns das schuldig sind, weil sie uns ganz dolle lieb haben, also bitte seid nicht sauer, wenn sie deswegen anrufen (sondern bereitet doch lieber schon mal die schwarze Brühe vor :-D)

Euer Robbie
 

Robbie